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Jörg Stingl

Damavand

Meine Reise begann am 3. September 2018. Ziel war nicht nur der Aufstieg auf den höchsten Berg des Orients. Gemeinsam mit Freunden brach ich zu einer Hochtour auf, an die sich eine Reise durch das Land zwischen Persischem Golf und Kaspischem Meer anschließen sollte. Ich wollte Landschaft, Kultur und die Spuren des einstigen persischen Großreiches intensiver erleben.


Höhenrekord
Der Iran ist von mehreren großen Gebirgen geprägt. Hohe Gipfel und eine weitgehend intakte
Tierwelt machen das Land besonders reizvoll. Mit etwas Glück begegnet man Bären, Leoparden oder Steinböcken. Gleichzeitig bieten die Berge ideale Bedingungen zur Akklimatisation.
Auf verschiedenen Mehrtagestouren zu Viertausendern hatten wir unser eigentliches Ziel immer im Blick – den Damavand. Sein markanter Vulkankegel ragt weithin sichtbar in den Himmel. Der Berg beeindruckt vor allem durch seinen enormen Höhenunterschied von etwa 4700 Metern zwischen seinem Fuß und dem Gipfel. Damit könnte er auch als höchster Berg der Welt gelten.

Bevor wir uns an den Aufstieg machten, legten wir eine Pause am Kaspischen Meer ein. Das größte Binnengewässer der Erde bot angenehme Wassertemperaturen und eine ruhige Atmosphäre abseits des Touristenstromes.


Rauchender, dampfender Berg
So lässt sich der Name Damavand aus dem Persischen übersetzen. Im östlichen Teil des Alborz-
Gebirges begann schließlich unser Aufstieg über eine technisch wenig anspruchsvolle Route.

Gut an die Höhe angepasst starteten wir von der Südseite an der Saheb-al-Sahman-Moschee auf
3020 Metern. Eine Zwischenübernachtung in der Berghütte Bargah-e Sevom auf 4200 Metern
machte den weiteren Aufstieg deutlich angenehmer. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt führte der Weg über schmale Pfade und durch raue Gesteinslandschaften. Immer wieder lag der Geruch von schwefelhaltigen Gasen in der Luft. Nach zwei Tagen erreichten schließlich alle Teilnehmer den Gipfel.


Kulturgenuss Iran
Oft reise ich zu schnell weiter. Dieses Mal wollte ich mir bewusst mehr Zeit nehmen.
Unsere Route führte uns zunächst in die über 4000 Jahre alte Region um Shiraz. Dort bewegten wir uns auf den Spuren verschwundener Weltreiche mit seinen verschiedener Kulturen, die das Land einst prägten.

Wir besuchten Paläste, Moscheen und die Mausoleen berühmter persischer Dichter. Ebenso
eindrucksvoll waren die Einblicke in die jüngere Geschichte, etwa in das Leben der Schah-Dynastieder Pahlavis.


Ein weiterer Höhepunkt war Persepolis mit seinen gewaltigen Ruinen und den nahen Felsengräbern der alten Könige. Danach ging es weiter über staubige Hochebenen nach Isfahan. Die grüne Stadt ist eine Oase im trockenen Hochland und beeindruckte uns mit ihren Minaretten, türkisfarbenen Kuppeln, wasserführenden Gärten und prächtigen Bauwerken.

Wir genossen das klare Wasser des Zagros-Gebirges, besuchten zahlreiche architektonisch
bedeutende Orte und ließen uns durch Straßen, Höfe und Märkte von Qom treiben, um in den Alltag der Muslime im islamischen Staat einzutauchen.

Ausgangspunkt unserer Reise war immer wieder Teheran. Die Stadt liegt an einer alten Handelsroute zwischen Mesopotamien und Zentralasien und ist bis heute ein Treffpunkt vieler Kulturen. Hier leben Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, und genau diese Vielfalt prägt das Stadtbild.
Hier begann und endete schließlich auch unsere Reise am 23. September.