8000er Mount Everest 1996 und 2001

Unsere Expedition brach am 21. März 1996 aus Deutschland auf und dauerte bis zum 11. Juni 1996. Sie bestand aus 14 Teilnehmern, die den Mount Everest über die tibetische Nordseite ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff und Sherpas besteigen wollten.

Der Weg führte mit Fahrzeugen auf die tibetische Hochebene über Nyalam und Tingri bis zum Rongbukgletscher. Von dort begann der eigentliche Aufstieg zum Wandfuß des 25km entfernt liegenden Berges. Zum Transport von Material und Ausrüstung verwendeten wir Yaks. Der Aufbau der Lagerkette hatte sich durch das anhaltende Schlechtwetter immer wieder verzögert. Erst Ende Mai gelang es über den Chang La Sattel bis auf 7800m vorzustoßen.

Während der hereinbrechenden Nacht rettete unser Team einem japanischen Bergsteiger mit deutlichen Symptomen eines Hirn- und Lungenödems sowie schweren Erfrierungen das Leben. Durch diese Bemühungen waren wir den ganzen darauffolgenden Tag in fast 8000m Höhe festgehalten worden. Erst als helfende Sherpas der Japaner-Expedition ihren Kameraden sicher heruntergeleiteten, setzten wir den Aufstieg zum Gipfel fort. Wir mussten jedoch einsehen, dass die lange Rettungsaktion in der großen Höhe zuviel Kraft gekostet hatte und kehrten bei 8500m um. Das waren damals 350m unterhalb des Gipfels.

Es war das Jahr der großen Everest-Katastrophe, bei der viele Teilnehmer aus verschiedenen Expeditionen am Berg starben, unter anderem auch Mitglieder der beiden bekannten kommerziellen Expeditionen von Rob Hall und Scott Fischer. Es sollte einige Zeit vergehen, bis wir die Ereignisse am Berg für uns ins richtige Verhältnis gesetzt hatten. Bilder und Gedanken darüber hat unser Kameramann Stephan Urlaß in dem beeindruckenden Film "Everest – Traum und Wirklichkeit" mit brillanten Bildern und hintergründigen Interviews festgehalten.

    everest
    Nepal 8848m




8000er Mount Everest 2001

Beim Abflug aus Deutschland am 20. März 2001 hatten wir nicht nur den Mount Everest im Blick. Vorher wollten die Expeditionsmitglieder noch an einen anderen Berg gehen, um sich an die große Höhe anzupassen, den Pumori (7165m). Aus der Hauptstadt Nepals, Kathmandu, flogen wir mit einem Kleinflugzeug nach Lhukla hinauf ins Solu-Khumbu. Von hier ging es dann zu Fuß in sieben Tagesetappen, dem Lauf des Dudh Koshi Flusses folgend, über die Orte Namche Bazar und Pheriche, bis ins Basislager am Pumori. Dort kletterten wir bis zum 28. April 2001, ohne dass es uns gelang den Gipfel zu erreichen. Die von Eisschlag bedrohte Route wurde uns einfach zu gefährlich und wir zogen gut akklimatisiert ins Mount Everest Basislager um.

Erste deutsche Besteigung ohne zusätzlichen Sauerstoff nach 23 Jahren
Kaum angekommen, mussten wir erfahren, dass Babu Shiri, tödlich in eine Spalte gestürzt war. Babu Shiri war für die Sherpas ein Nationalheld. Deshalb befürchteten wir, dass alle Expeditionen in dieser Saison abgebrochen werden könnten. Aber nach kurzer Zeit der Trauer wurde der Kampf um den Gipfel fortgesetzt. Auch dieses Mal versuchten wir den Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff zu bezwingen. Die Voraussetzungen waren dadurch ungleich schwieriger, aber trotzdem schaffte es das Team nach fast drei Wochen bei Wetterunbilden wie Neuschnee und Sturm, während einer Schönwetterperiode den Südsattel zu erreichen. Am nächsten Tag gelang es Jörg Stingl unter härtestem Einsatz des gesamten Teams, bis auf den Gipfel vorzudringen. Damit realisierten wir am 22. Mai 2001 die erste deutsche Besteigung ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff nach 23 Jahren.

Das Kamerateam, Thomas Türpe und Frank Meutzner, hat unter extremsten Bedingungen in dem ergreifenden Film
"Der Traum vom Everest" die Besteigung dokumentiert und mit wunderschönen Bildern und Interviews unseren Erfolg anschaulich gemacht.

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